Die Frauen und Männer im Fernsehen – ihre glänzenden Anzüge, ihre Medaillen, das jubelnde Publikum. Schon als Kind hat das etwas in mir ausgelöst. Dieses Gefühl von da will ich hin. Ich wollte das nicht nur sehen, ich wollte es fühlen. Mit 17 unterschrieb ich meinen ersten Profivertrag. Mit 18 packte ich meine Koffer und zog weit weg von meiner Familie, um meinen Traum zu leben. Ich erinnere mich an diesen Tag – aufgeregt, stolz, aber auch voller Angst.Ich wollte es allen beweisen. Mir selbst am meisten. Es folgten Jahre voller Emotionen. Viele Erwartungen, viele Enttäuschungen. Triumphe, Tränen, mentale Kämpfe, unvergessliche Momente. Sportlerin zu sein, klingt für viele glamourös. Doch es gibt eine Seite, die kaum jemand sieht.

Den ständigen Leistungsdruck. Das Vergleichen. Den inneren Kritiker, der nie zufrieden ist. Bodydysmorphia – dieses Gefühl, dass dein Körper nie gut genug ist, obwohl er dein stärkstes Werkzeug ist. Falsche Versprechen, gebrochene Vertrauensverhältnisse, Egoismus. Und dieses Spiel hinter dem Spiel – wo Beziehungen manchmal mehr zählen als Leistung. Viele reden von Fairness. Vielleicht, weil der Sport oft alles andere als fair ist.

Bis zu meinem 36. Lebensjahr durfte ich auf hohem Niveau spielen. Ich war dankbar für meinen Körper, der mich getragen, geschützt und mir so viel ermöglicht hat. Und doch: als meine Karriere endete, war ich erleichtert. Nicht, weil ich müde war – sondern weil ich endlich loslassen durfte.

Würde ich denselben Weg wieder gehen? Ja. Aber ich würde manches anders machen. Ich würde Niederlagen nicht als persönliches Versagen sehen. Ich würde mich selbst öfter feiern – nicht nur, wenn andere es tun. Ich würde Grenzen ziehen. Und ich würde lernen, ein bisschen egoistischer zu sein. Klingt komisch? Ist es nicht. Denn nur, wenn ich erfüllt, stark und im Reinen mit mir bin, kann ich auch für andere voll und ganz da sein.

Ich durfte Pokale gewinnen, Medaillen tragen, Trophäen in die Höhe halten. Aber mental ging es mir oft nicht gut. Ich war erfolgreich – aber innerlich leer.

Heute weiss ich: Erfolg ist nicht, wie laut der Applaus ist. Erfolg ist, wie ruhig dein Herz schlägt, wenn es still wird. Der Übergang vom Leistungssport ins „normale“ Leben war nicht einfach. Aber er war notwendig. Weil ich erst danach wirklich gelernt habe, wer ich bin – ohne Titel, ohne Trikot, ohne Erwartung.

Heute begleite ich Menschen, die selbst an einem Wendepunkt stehen. Menschen, die sich verändern wollen, die sich neu finden oder wieder an sich glauben möchten. All das, was ich im Sport gelernt habe – Disziplin, Fokus, mentale Stärke, aber auch Verletzlichkeit – nutze ich jetzt, um andere zu unterstützen.Denn eines habe ich verstanden: Man kann alles erreichen.

Aber das Wertvollste ist, dabei sich selbst nicht zu verlieren.


Bis zum nächsten Lesen.